Sonntag, 28. Februar 2016

Steeg Warmwasserquell Stollen



Nach Joseph A. Schultes wurde  erstmalig im Jahre 1729 die Beobachtung gemacht, daß  an dem Schutthange, der sich an die Felsen des Gosauhalses anlehnt, ein Fleck  stets  ohne  Schneebedeckung  blieb. 
Der bei den Aufschließungsarbeiten des „Warmen Wassers“ aufgefundene Stollen konnte in die Zeit um 1450 datiert werden. Vermutlich waren diese Quellen schon den Römern bekannt. Die höchste Wassertemperatur wurden 24° C gemessen. Laut Untersuchung handeltes sich vermutlich um eine Chlor/Sulfat-Quelle.
An der entsprechenden, unterhalb gelegenen Stelle des Sees fror dieser am Ufer auf  mehrere  Quadratklafter  nicht  zu. 


Die  Folge  dieser  Beobachtung war,  daß  durch  den  Schutthang  ein  mit  Holz  gezimmerter  Stollen in der Länge von 24 „*Hallstätter Stabein“, also 28,6 m, vorgetrieben wurde,  bis durch den Schutt der Fels erreicht war, über den aus einer Spalte ein Wasser in der Stärke  von ungefähr 1/3  Quadratzoll hervor­rann. 

Gottesgab Brunnen 

Es  wurde  in  einer  Rinne  gefangen  und  hölzernen  Wannen  im Stollen zugeleitet.  Es diente zum Waschen und Baden.  Es wurde dem Wasser eine große Heilkraft bei Ausschlägen und Gicht zugeschrieben. Schultes weist  die  Quelle  den  Schwefelquellen zu.  Es wurde der Stollen später sogar in das Gestein eingetrieben, doch wurde der eigentliche  Quellursprung nicht  erreicht. Als gegen  1810 der  Weg  von Steeg bis  zur Gosaumühle  (entlang dem  Westufer  des  Hallstätter  Sees)  fahrbar  gemacht  wurde,  wurde durch  die  Straßenauffütterung  der  Stollen  gänzlich  verbaut. Am 15. Juni 1930 gelang es Friedrich Simony, die nur mehr dem Namen nach bekannte,  aber ansonsten verschollene  Örtlichkeit am westlichen Seeufer halbwegs  zwischen  der Gosaumühle und Steeg wieder aufzufinden. 
Wir können heute zweifellos von einer Chlor-Sulfat-Quelle sprechen, unter solchen  Umständen  ist  es  begreiflich,  daß  die  Quelle  zu  Heilzwecken  herangezogen  wurde.
*Das „Hallstätter Stabl“ war ein im Salzbergwerk verwendetes Maß und hatte eine Länge von 1,192 m

Holzzimmerung
 
Wir steuerten die Gosaumühle an da wir den genauen Ort des Quellstollens nicht kannten, einzig eine schwaz-weiss Fotographie von Morten  aus den 1940er Jahren war unser Anhaltspunkt. Via Satellitenbild suchten wir das Umfeld ab und fanden schnell einen passenden Ort.
Schon beim Zustieg von einer Parkbucht sahen wir eine art Unterführung die sich als Stollenmundloch herausstellte. Beim Straßenbau wurde der Stollen unterirdisch mit eingebunden.Einzig der Teil des Stollens unter des Straße verläuft ist ausgemauert, der hintere Teil ist ursprünglich in Holzausbau und macht im letzten Drittel eine Kurve, ehe ein 5m langer Versturz das Fortkommen zur Felskammer stoppt (bei ca 60m), einst soll der Stollen über 160m gemessen haben.
In der Sole laufen Schienen mittig Holzbretter die mit alten Nägeln verankert sind. Die Zimmerung im hinteren Teil ist bereits Einsturz gefährdet!


Im Bereiche des „Warmen Wassers“ befanden sich große Ansammlungen  der fadenbildenden Diatomee Melosira varians. Sehr bemerkenswert ist das Auftreten starker Kolonien von Spongilla  lucustris.

Versturz
https://vimeo.com/157011563


Das Warmwasser am Hallstättersee 

https://www.norbertleutner.at/2017/05/17/das-warmwasser-am-hallst%C3%A4ttersee/

Samstag, 27. Februar 2016

Bad Goisern Arikogel Stollen


Die Ursprünge des Bergbaues am Arikogel verlieren sich völlig im Dunkel der Geschichte.
Zwar beweisen im Raum Goisern Funde aus dem Neolithikum die Anwesenheit des Menschen schon seit mindestens 4500 - 5000 Jahren, wer jedoch hier erstmals am Arikogel nach Erzen geschürft hat, kann man nur mehr vermuten. Bewiesen ist die Sesshaftigkeit der Römer in der Umgebung des Arikogels. Es gibt Verschiedene Einzelfunde im Ortsgebiet von Goisern. Arbeiter entdeckten beim Bau der Salzkammergutbahn am Südwestfuß des Arikogels ein weibliches Körpergrab mit reichem pontisch-germanischem Goldschmuck (eine Halskette mit zwei Rundscheiben sowie Ringe), datiert ins 4. Jahrhundert n. Chr.
Tatsächlich verbirgt sich im Berginneren eine verfallene Stollenanlage von mindestens 250 m Länge. Schon vor etwa dreihundert Jahren wurden hier verschiedene Erze gefördert.
Beim genannten Bahnbau soll auch ein Stollen gefunden worden sein, der heute wieder unter dem Fahrdamm zwischen den beiden Unterführungen begraben sein dürfte. Eine weitere kleine Tagöffnung ist noch unweit des westlichen Straßendurchlasses am Bergfuß erkennbar und stammt möglicherweise von Abbauversuchen aus der Mitte des 19.Jahrhunderts. Bei so viel Ungewissheit darf es nicht verwundern, wenn der Arikogel auch in die Sagenwelt des Goiserer Raumes Eingang gefunden hat.  

Stollen vor Bahnunterführung
 
 
Die älteste glaubwürdig datierte Nachricht vom Bergbau am Arikogel stammt aus dem Jahre 1801. Damals soll an seiner Nordostseite mit der Anlage eines Schurfstollens begonnen worden sein. Da er nicht den gewünschten Erfolg brachte, kam es bereits ein Jahr später zur Einstellung der Arbeiten, nicht zuletzt wegen Schwierigkeiten mit der Wasserhaltung.

Stollenanlage Arikogel
 

 



Endkammer
hunderte Spinnen und Höhlenlangbeine

Pyrit


Der einzig nennenswerte, heute noch zugängliche Stollen  (Arzloch 1) befindet sich an der Ostseite des Arikogels, nur knapp über dem Niveau des Zlambaches. Man erreicht ihn am einfachsten von Süden her entlang des rechten (westlichen) Bachufers. Seehöhe: ca. 515 m 
Im Jahr 2007 wurden in Bad Goisern Vermessungen im Arikogel-Stollen und im Kleinen Arzlochstollen durchgeführt.


Aus welcher Zeit dieser kleine Stollen stammt, ist nur schwer zu beurteilen. In dem oben genannten „Zugbuch zur Vermessung des Freischurfes im Arikogl“ (1872) ist er jedenfalls eindeutig erkennbar dargestellt. Ältere Nachweise liegen dzt. nicht vor. 

https://vimeo.com/156985982

Vermessung des Freischurfes im Arikogl“ aus dem Jahre 1872. Aufgrund der nun vorliegenden Angaben war es möglich, den alten Bergbau zu rekonstruieren und einen Plan anzufertigen. Die einst vermessene Gesamtlänge betrug 234.5 Schrägmeter, die errechnete Niveaudifferenz ergab 25 m (+6.5/ - 18.5 m) bei einer Horizontalerstreckung von 95 m WSW. Der Eingang lag vom heute noch zugänglichen Arikogelstollen (Arzloch 1) 120 m entfernt in Richtung NNW 335.





In St. Agatha unweit des Arikogels am Nordende des Hallstätter Sees befand sich eine römische Siedlung. Es ist denkbar, daß diese Siedlung mit der Hallstätter Kolonie in ursächlichem Zusammenhange stand, daß beispielsweise das in Hallstatt gewonnene Salz in St.Agatha niedergelegt und von dort erst weiter verfrachtet wurde. Allerdings muß aber sowohl eine Salzgewinnung im Sandling als auch ein Erzabbau im Arikogel mit in Betracht gezogen werden.

Bei unserer Ankunft machten wir vor der Bahnunterführung halt, um den Sondierstollen in Augenschein zu nehmen; ein kleiner Stollen kaum länger als 4m etwas links oberhalb der Straße.
Vom Bikepark führt ein schöner Weg fast bis zum Arzloch. Ein Felsportal vertieft sich zu zwei Stollenansätzen, wobei nur der linke tiefer in den Fels führt. In der Sole stehen 10-20cm Wasser, etwa in der Mitte des Stollens eine markante Stufe (Erhebung) die gleich wieder abfällt zur Endkammer hin. Höhlenspinnen und -Langbeine finden sich zu hunderten an den Wänden und an der Decke, eine Kaulquappe konnte ich ebenso im Wasser erkennen. Die Peilung zur ehem. größeren Anlage führte über einen Stieg Bach aufwärts, schnell erkennt man den Versturz nahe des Waldrandes.