Samstag, 29. September 2018

Ternberger Waldeisen

Bereits in der Steinzeit ist der Verkehrsweg über das Ennstal benutzt worden, dies hat Spuren hinterlassen. Hier in Ternberg befindet sich ebenfalls ein sehr alter Kulturboden, nahe der Tieferbachkapelle würde bei Grabungsarbeiten ein Steinbeil aus grünen Serpentin gefunden.
ehem. Hammer und Hüttwerk im Wendbachtal (Kern)
Aus der Römerzeit wurden gerade für Ternberg bedeutsame Funde gemacht. Sie beweisen, daß der Talgrund am Eingang ins unwegsame Gebirge wenn auch spärlich, so doch überhaupt schon besiedelt gewesen sein muß.
Symbolfoto
Seit mehr als tausend Jahren wird hier an der Eisenstraße Erz gewonnen und verarbeitet.
Das Eisen bezogen die Römer in den letzten zwei Jahrhunderten ihrer Herrschaft in Ufernorikum vom steirischen Erzberg. Das nötige Eisen brachten sie auf dieser Straße, der Eisenstraße heran, die deshalb auch die heute noch bekannte Bezeichnung „Eisenstraße" führt.
Diese Römerstraße verlief von Steyr weg am linken Ufer der Enns, während die in Ternberg und Losenstein gemachten Funde annehmen lassen, daß sie an einer unbekannten Stelle später den Fluß überschritt, möglicherweise Nähe dem Ternberger Ortsteil Trattenbach-Breitenfurth. Die Funde auf beiden Seiten der Enns sprechen ohne Zweifel für einen römerzeitlichen Flußübergang in Ternberg.
Funde in Ternberg, Losenstein und Kastenreith bekräftigen die Ansicht, dass von Steyr nach Lorch schon jene Straße bestand, über den Verlauf scheint bis dato wenig bekannt.

In diesem Zusammenhang war der Fund von drei römischen Müzen in Schweinsegg interessant, da hier bereits 1835, 1852 römische Denare, gefunden wurden, sowie ein römischer Grabstein, der vom Landwirt Franz Burghuber, vulgo Mayr zu Dambach in Ternberg, Ebenboden 17, beim Ackern. Etliche Jahre darauf kamen weitere Stücke zum Vorschein und man auch eine eiserne Lanzenspitze.

Im Königreich Norikum machte man sich den Metallreichtum zu nutze, in den Tälern unserer Berge zeigen sich noch häufig Spuren längst verfallener alter Stollen, so bei Ternberg, im Trattenbach und Wendbach und oberhalb von Losenstein. Dort wurde von Alters her schon nach Eisen gegraben.
Spuren der Bergbautätigkeit führen bis in die Römerzeit zurück. Ursprünglich schürften die Bergleute an den Stellen, wo die Erzadern bis an die Bergoberfläche durchbrachen
Bei einer Begehung am Fuße der Hohen Dirn besichtigte D. Mitterkalkgruber den mittelalterlichen Bergbau mit seinen Stollen und Schutthalden. Dabei entdeckte er einige Stollen an einer Felswand die sich vom Mittelalterlichen Bergbau wesentlich unterscheiden.
Die Stollen führen nicht waagrecht in den Berg sondern fallen steil nach unten ab und münden in einer Art Höhle von wo sie wieder nach unten fortsetzen.

Zudem findet man unmittelbar eine große Anzahl von Erz- und Schlackeresten was auf eine Verhüttung vor Ort und Stelle schließen lässt.
Ähnliche Funde wurden in Ternberg hinter der Bahnhof liegenden Hochtrasse gefunden. Bei einem Straßenbau kamen hier nahe der Tieferbachkapelle mächtige Feuerstellen zum Vorschein, vermutlich Rennöfen bzw. Schüttöfen zum Schmelzen von Erz, eine eingesandte Probe ergab einen Eisengehalt von 58% im Erz. Solche Rennöfen wurde mit Vorliebe an Höhenzügen angelegt.
Die Erzlager sind in einem ziehmlich langgezogenen Streifen, die das Wendbachtal quert, enthalten und bestehen aus Spateisenstein, Rot- und Brauneisenstein. Die Talhänge zeigen überall zahlreiche Spuren des einstigen Betriebes. Der Schmelzbetrieb in der Hütte Wendbach bestand bis 1804 und mußte wegen technischer Mängel am Hochofen eingestellt werden.

So an manch unzugänglichen Ort findet man auch heute noch Tiefe Schächte die in Stollen und Kavernen münden. Lange Stollen wie auch viele Pingen, sowie Klüfte die künstlich erweitert wurden um an das Erz zu gelangen.




ehem. unter Zöppel einst & heute



Mittwoch, 19. September 2018

Redl-Zipf Deckname Schlier

Bild: ARGE Schlier

Zu dieser sehr seltenen Gelegenheit der heuer stattfindenden Führung meldete sich unser Team schon vor knapp einem Jahr an! Der Checkin erfolgte direkt vor dem Gelände beim Haupteingang (ARGE Schlier Bus). Nach einer etwas halbstündigen Einführung per Film, began die Führung in den  unterirdischen Stollen die bis zum Prüfstand sowie dem ehemaligen KZ Lager führte.


Im September 1943 fiel die Entscheidung, in den beschlagnahmten Kellern der Bierbrauerei in Zipf einen Betrieb der Raketenrüstung des Deutschen Reiches unterzubringen. Es wurden Anlagen errichtet, um für das Aggregat 4, die sogenannte „Wunderwaffe“ V2
(Vergeltungswaffe 2), Triebwerke zu testen und flüssigen Sauerstoff als Treibstoff zu erzeugen. Zur Tarnung der Anlagen wurden in Zipf die Bunker mit Netzen überspannt, sowie alle Gebäude schwarz gespritzt. Der Deckname dieses Rüstungsbetriebes lautete „Steinbruch-Verwertungs G. m. b. H., Betrieb Schlier“, kurz „Schlier“, benannt nach dem Mergelvorkommen in Zipf.


Bereits Anfang Oktober 1943 überstellte die SS die ersten KZ-Häftlinge zum Aufbau des KZ-Nebenlagers nach Redl-Zipf. Der Häftlingsstand schwankte stark, der Höchststand lag bei rund 1.900. Franzosen, Italiener, Polen, Häftlinge aus der Sowjetunion und Spanier sowie einige Reichsangehörige mussten Sklavenarbeit leisten. Hauptsächlich gruben sie Stollen, betonierten Bunker, bauten die beschlagnahmten Keller der Brauerei aus, verlegten Kabel und Eisenbahngleise.


Die Zahl der Fremden überstieg die Einwohnerzahl umein Vielfaches.
Im Februar und August 1944 ereigneten sich zwei schwere Betriebsunfälle. Durch diese verloren Betriebsangehörige ihr Leben, wurden Triebwerkstests verzögert bzw. vereitelt und die Sauerstoffproduktion zeitweise lahmgelegt. 
Foto: Meinrad Hinderks

Im April 1945 kam dasso genannte „Unternehmen Bernhard“, das zur Dokumenten- und Geldfälschung eingesetzt wurde, für wenige Wochen nach Zipf. Text Quelle: ARGE Schlier



https://www.youtube.com/watch?v=ZGWB309PzeA&t=151s

Raketenprüfstand V2





https://www.mauthausen-guides.at/aussenlager/kz-aussenlager-redl-zipf

https://www.hoehlenforschung.at/


http://www.schlier.at/
 
Die Arbeitsgemeinschaft "Schlier" wurde von interessierten Personen gegründet, um die Stollen- und Bunkeranlagen des ehemaligen Rüstungsbetriebes Schlier zu erhalten, zu dokumentieren und geordnet zugänglich zu machen.


Samstag, 1. September 2018

Ebelsberg Wambachstollen Lenkgasse

Schon vor dem zweiten Weltkrieg existierte dieser Lagerkeller nahe der 1939/40 erbauten Wambachsiedlung.
Stadtmuseum Nordico Linz

Dieser in Lehm gegrabene Weinkeller wurde während des Krieges mit Ziegeln ausgemauert und
als Luftschutzkeller adaptiert, nach dem Krieg wurde er als Weinkeller weiter genutzt. Er besaß wohl wärend des Kriegs einen zweiten Eingang, der heute allerdings verschüttet liegt. Man erkennt dort den Bereich einer Gasschleuse, die typischen gasdichten Schutzraumtüren, welche noch halbwegs  erhalten sind.
Laut mündlichen Überlieferungen soll während des Krieges vermutlich ein Not-OP im Stollen untergebracht gewesen sein, auch ein Kind erblickte wärend eines der vielen Bombenalarme, im Schutzraum "das Licht der Welt".

Ein aufgebrochenes Vorhängeschloss an einer Kette liegt am Boden, die alte Eisentüre lässt sich kaum noch öffnen. Gleich im Eingangsbereich hat sich eine Erdkröte vor der brühtenden Hitze ins Dunkle des Kellers gerettet.

Heute sind die einzigen erkennbaren Überreste rostige Luftschutztüren, Elektroinstallationen und die kümmerlichen Reste alter Weinfässer und deren Gärspunde aus Ton.
 

Der einstige Notausstieg befindet sich im hintersten Teil des Kellers, und war über Eisentrittklammern zu erreichen, er ist allerdings schon seit langen verschüttet.

Einst sollte der über 85m lange Keller bis zu 300 Personen aufnehmen, bei Bombenalarm suchten allerdings bis zu 700 Personen diesen Schutzraum auf!
Ein zweiter Stollen im steilen Bergabhang ist wohl nicht über die Projektierung hinaus gekommen.