Montag, 31. Oktober 2016

Lassing Magnesitbergbau

Heute steuerten wir das aufgelassenen Magnesit Bergbaurevier in Lassing im Ortsteil Burgfried an. Um 11 erreichten wir das Zielgebiet und stiegen über eine vorerst unscheinbare Viehweide den Bach aufwärts. 



Hier mitten auf der Weide befinden sich bereits aufgelassene Betriebsgebäude, und wir erreichen schon bald eine unscheinbare Stelle im Hang. Mein Begleiter wusste hier von einem offenen Stollenmundloch, das er vor rund 20 Jahren hier einen Stollen befahren hatte. Die kleine Öffnung musste erweitert werden um sie schlief bar zu machen. 
Und ein schöner kurzer Stollen konnte befahren werden an welchem Ende ein fast senkrechter 50m Schacht ansetzt. 
oberste Stollenebene
Einzig 2 kleine Hufeisennasen trafen wir in all den Stollen an.

Nach rund 25m zweigt bereits der erste Seitengang ab, und wir konnten uns über ein Betonfundamt 5m in den nächsten Gang abseilen, hier setzten wir einen 2. Anker da wieder ein genau 50m tiefer, mit Polsterhölzern ausgebauter Schacht ansetzt, streckenweise gibt es Holzleitern die aber nicht mehr benutzt werden können!

50m Schacht von unten
Wohl der gefährlichste Abschnitt unserer Befahrung.
Unten angekommen, ein Grubenhunt und eine große Kaverne etwa 30 x 50 Meter 15m hoch, weiter Gänge führen zu einem Schacht aus dem ein Bach herunter donnert.


 
zurückgelassener Grubenhunt
Der nächste Schacht etwa 20m tief führt in die tiefste Etage, hier sind die Stollen mit Wasser bis zur Decke vollgelaufen, es gibt hier kein weiterkommen. Nach einer ausgiebigen Pause ging es wieder den 50m Schacht hinauf, mit ca. 15kg im Schleifsack kein Vergnügen. Auf halber Strecke dann löste sich von oben ein Polsterholz, und ein morscher Steher fiel den Schacht wenige Zentimeter an mir vorbei in die Tiefe. Langsam kam das brennen in den Armen und ich musste eine Pause einlegen und stieg dabei auf eine Holzschwelle die jedoch unter meinem Gewicht brach und die ganzen Polsterhölzer samt mir mitriss, nach etwa 1m Meter wurde mein Sturz von der Sicherung gefangen, und es donnerte eine Holzlawine hinterrücks den Schacht hinunter!! Nach dem ersten Schreck ging es schlussendlich ohne Zwischenfälle nach oben.


Schacht
Im ersten Hauptschacht zurück befuhren wir diesen bis auf den Grund und begingen weitere Stollen und eine große Kaverne. Viele Schächte führen an anderen Stellen ebenfalls in große Kavernen und verteilen sich wiederum in einem Gängelabyrinth. Sehr gefährliche Orte, vorbei an verfüllten Schächten und Tonnenschwere Felsbrocken die sich von der Decke gelöst haben, Wasser gurgelt über alte Leitungen tief hinab. Nach rund 6 Stunden untertage kehrten wir wieder ans Tageslicht zurück.
https://vimeo.com/189554744

Die wirtschaftliche Struktur von Lassing bildete über ein Jahrhundert der Bergbau, bis zum Grubenunglück von Lassing. Die Österreichisch-Amerikanischen Magnesit AG betrieb bis 1964 in der Gemeinde ein Bergwerk und einen Verarbeitungsbetrieb im Ortsteil Burgfried.
1940 wurde der Betrieb eingestellt und die leitenden Angestellten verließen Österreich.
Schließlich kaufte 1949 die Österreichisch-Amerikanische Magnesit AG in Radenthein den Betrieb und das Gelände. Da das Lassinger Rohmagnesit stark eisenhältig ist und dies zu dieser Zeit für die Produktion von Radex Steinen nicht mehr notwendig ist, wird die Produktion nach und nach zurückgefahren. Schließlich wird der Betrieb 1963 ganz eingestellt.
Einfahrt in den Hogo Stollen
Magnesitwerk 1954
Magnesitwerk 1960
Der Bergbau war mit einer 1280 Meter langen Materialseilbahn mit der Verarbeitungsstelle verbunden. Als erstes bestand der sogenannte Barbarastollen als Abbaustelle. Später wurde auch noch der sogenannte Hugo-Stollen angeschlagen (Nähe vlg. Dengg und Mangner) man stößt 1955 auf Magnesit. Das Material wird mittels einer Diesellok aus dem Untertagebau ausgefahren und die Seilbahn auf das neue Niveau des Hugo Stollens verlängert. 1951 steigt die Belegschaft auf 50 Beschäftigte und danach auf 75 Personen. Die Betriebsanlagen standen lange Jahre als Industrieruinen leer.
Quellen
Schneider, Benedikt: 950 Jahre Lassing, 1986 
Wohlgemuth, Franz: Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales. Röm.-kath. Pfarramt Gaishorn, Gaishorn 1955 
Facebookseite VintageLassing

Dienstag, 25. Oktober 2016

Steyr Münichholz I

Der Stolleneingang bei der Punzerschule („Einserabschnitt“) ist neben dem Schulgebäude eine eher unauffällige Holzhütte. Der Stollen wird als Schützenkeller genützt, und zieht sich unter die Schule die an den Stollen angebunden war.
Das Stollensystem mit 443 m² Ausbaufläche und 2 Stolleneinfahrten hat Fassungsvermögen ca. 680 Personen


Aufgrund der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, bedingt durch die Kriegsereignisse, kam es aber bald zu einer Einschränkung der Bautätigkeit in Münichholz. So wird der geplante Ausbau der Siedlung gestoppt.Von der erwarteten 4.500 Wohnungen werden nur ca. die Hälfte gebaut. Eine Gegenüberstellung der ursprünglichen Ausbaupläne mit dem tatsächlich realisierten Plan ergibt folgende Aufschlüsse:
Der dem ursprünglichen Plan am ehesten entsprechende Teil der Siedlung ist der erste Bauabschnitt.  Nicht fertiggestellt wurden allerdings Projekte parallel zur heutigen Punzerstraße zwischen Plenklberg und Hauptkreuzung des zweiten Bauabschnittes.

Arbeitslager Frauen Nr. 82
Fremdarbeiter in Münichholz
Die Häftlinge dafür kamen aus dem Hauptlager Mauthausen. Ihre Arbeitskraft wurde in den Steyr-Werken in der Rüstungsproduktion ausgebeutet. Für die Stadt Steyr mussten sie Strassen und Luftschutzbunker bauen. Die Ärmsten der Armen waren die tausenden Fremdarbeiterinnen, die im Rüstungsbetrieb eingesetzt waren , sowie die Gefangenen des Konzentrationslagers Steyr-Münichholz. Vornehmlich während dieser Außenarbeiten kam es wiederholt zu Mißhandlungen durch die Begleitpersonen und die Vorarbeiter, ebenso zu  
"Erschießung auf der Flucht ".
Die Fertigstellung des weit ausgedehnten Luftschutzstollensystems in Münichholz bewirkte eine bedeutende Zunahme der Rücksiedelung am Ende des Jahres 1944. Das tägliche Stollengehen (besonders Anfang des Jahres 1945) schuf eine unerträgliche Situation.
Noch am 1. Mai 1945 mussten die KZ-Häftlinge Schützengräben ausheben. Vier Tage später um 10 Uhr vormittags kam dann die 2. US-Division nach Steyr und befreite Steyr.
Bei weitern Stolleneingängen, handelt es sich vermutlich nur um Splitterschutzdeckungsgräben bzw. Teststollen, sie befinden sich nahe der Evangelischen Tagesschule und Münichholz/Hinterberg.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Ried Ramersberger Wasserstollen

Auf unserer heutigen Tour begaben wir uns in die nähe von Ried im Innviertel auf die Suche nach dem Ramersberger Wasserstollen. Wir konnten ihn zielsicher ansteuern und fanden das Stollenmundloch ohne lange Suche. Es handelt sich um eine seltene Art von Stollen, ein Kanat.
Abgesichertes Stollenmundloch

Wasserleitung am Boden
Ein Wasserstollen (auch Kanat genannt) dient zur Gewinnung von Trinkwasser und kann als horizontaler Brunnen verstanden werden, der oberhalb der Verbrauchsstelle das Wasser aus Wasserführenden Schichten sowie eintretendes Sickerwasser auffängt. In Oberösterreich sind rund 20 solcher Kanate bekannt, nur noch wenige sind davon in Betrieb. Einer davon, der Ramersberger Wasserstollen, befindet sich 2,5 km Luftlinie vom Ortszentrum Neuhofen. Der Wasserstollen wird auf ein Alter von 150 bis 400 Jahre geschätzt.

Schlupfwespen
Der Eingangsbereich ist heute mit einem ca.4m langen Betonrohr abgesichert, gleich im Eingangbereich trafen wir auf einige Zackeneulen, Weberknechte, Schlupfwespen und Asseln.
Kleines Mausohr
Der Gang ist in Sandstein gehauen und schlängelt sich langsam steigend in den Berg.
An manchen Stellen konnte man fahrende Autos, wohl von einer Straße überbei, im Stollen warnehmen, was auf eine eher geringe Überlagerung hindeuten lässt. Hinweise auf maschinelle Bohrungen oder Grabungen gibt es nicht. (mit Außnahme zwei Brohrungen die zu Luftschächten in der Decke ansetzen jedeoch nicht ins Freie durchstoßen!

Blindbohrung

Überlauf

Wasserstollen
In insgesamt zwei Begehungen (2002 und 2005) wurde der Wasserstollen erforscht.
Die Gesamtlänge beträgt 200,2 Schrägmeter sowie 174 Meter in Horizontaldistanz. Das Gefälle beträgt vom Quelltopf bis zum Eingang 4,2 Meter bei ca. einem Meter Gangbreite sowie 1,35 bis 2 Meter Raumhöhe. Es befinden sich 45 kleine Nischen im Wasserstollen, die in ähnlicher Form aus früheren Erdställen bekannt sind. Die darin vorkommende Fauna besteht unter anderem aus folgenden Tierarten: Turmschnecke, Pseudoskorpion, Weberknecht, Assel, Tausendfüßer, Springschwanz, Bandfüßer, Schlupfwespe, Rennfliege, Köcherfliege, Zackeneule sowie Fledermaus.
Als ich meine Kamera in ein Loch an der Stollensole steckte, hörten wir plötzlich ein Pfauchen, vermutlich handelt es sich um einen Dachsbau.




Das eigentliche Kanat befindet sich im letzten Viertel des Stollens, über eine leichte Erhebung gelangt man zum Wasser gefüllten Teil des Stollens der sich 30m durch 1m tiefes Wasser zieht, ehe man zum Ende nochmals "Land" betritt um zum eigentlichen Quelltopf zu gelangen, in dem ein Oberflächenschwimmer Wasser in die Leitung saugt. Jedoch ist dieser Teil wohl der gefährlichste Teil dieser Anlage, da die Stollenwände bis zu 30cm unterspühlt sind - Einsturzgefahr!

https://vimeo.com/188573810



Auszug aus der Rieder Volkszeitung vom 12.5.1955
aus der ein ungewöhnlicher Vorfall entnommen: Ein Bubenstreich und seine Folgen. 
In den oberen Klassen der Knabenhauptschule war es bekannt geworden, daß sich im Rothbuchenwald bei Neuhofen eine Höhle befindet. 16 Schüler entschlossen sich deshalb zur Höhlenforschung und zogen, mit Spaten und Fackeln bewaffnet, aus, um das Innere der Höhle in Augenschein zunehmen. Auf allen Vieren kriechend, drangen sie durch den engen Eingang in die Höhle und gingen dann aufrecht weiter , bis ihnen das Grundwasser Halt gebot. Sie versuchten das Wasser abzuleiten,beschädigten dabei aber die dort befindliche Wasserleitung des Landwirtes. Dadurch blieb bei diesem die Wasserzufuhr aus. Der Landwirt machte sich mit zwei Knechten auf die Suche nach der Ursache dieser Störung. Dabei merkten sie, daß Buben in der Höhle waren. Sie paßten diesen vor und teilten, als die ersten der jugendlichen Höhlenforscher diese verließen, ergiebige Prügel aus. Die übrigen Buben trauten sich nicht, ihren geschützten Standort zu verlassen. Die vom Bauern verständigte Gendarmerie befreite sie schließlich aus ihrem unfreiwilligen Gefängnis. Der ganze Vorfall wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben.