Samstag, 17. März 2018

Der letzte Flug Junkers 88

Zum ersten mal hörten wir von einem befreundeten Höhlenforscher Kollegen von einem tief im Totengebirge verschollenen Flugzeug, welches zum Teil im Eingangsbereich einer Höhle liegen soll.
Also versuchte ich mehr Informationen über dieses Flugzeug zu finden, mit sehr mäßigen Erfolg. Ich veröffentlichte also eine Suchmeldung in einer einschlägigen Fachzeitschrift, (ÖFH) welche bescheiden Erfolg brachte, zu mindest die Type stand nun fest, eine Junkers 88 A-12 T . In der Bevölkerung erzählt man sich, daß es sich um eine Kurier Maschine gehandelt haben soll, die in den 1940ern an der Felswand eines Berges zerschellte.


"Der Aufstieg druch die Felswand ist sehr lange und schwierig von oben führen leicht ansteigend horizontale Felsbänder weiter Richtung Westen. Nach 70m entdeckte >>Franz<< in einem der horizontal verlaufenden Bänder auf ca.1800 Seehöhe einen kleinen Schacht, ca. 5m tief. 
Am Schachtboden lag noch viel Schnee. Jedoch ein Abstieg ohne Seil erschien ihm zu gefährlich. Im
Einstiegsbereich lagen etliche Teile von einem vor langer Zeit abgestürztem Flugzeug. Die Wrackteile eines unbekannten Flugzeugs liegen verstreut vor und auch noch weit in der Höhle. Vergessen sind die Namen der Insassen und vergessen der Name des Flugzeugs?" 

https://www.youtube.com/watch?v=NzgAcMxQ-pE
 
Ju88 A-12


Es handelt sich bei der Ju88 A-12T um ein Übungsflugzeug mit Doppelsteuer, Serienumbau aus der A-5, wobei die Kabine verbreitert wurde und die Bodenwanne fehlt. 





Fotos: Rührlinger, Stieglbauer

Die Ju88 A-12 mit der Kennung TJ+KX zerschellte am 29.04.1944 an einer Felswand im Toten Gebirge, alle drei Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben.
Die Besatzung setzte sich wie folgt zusammen:

Flugschüler Fhj-Ofw Kuhlebert, Wilhelm,    ges * 05.11.1917, Oldenburg

Hilfsfluglehrer Gefr Fielka, Werner,             ges * 21.03.1923, Ratibor / Oberschlesien (VB Uffz.)
Nachr.-Hilfslehrer Uffz  Gegerle, Karl-Heinz, tot * 07.10.1921

Alle 3 Besatzungsmitglieder sind in Linz-St.Martin in einem Gemeinschaftsgrab Nr.3G-3-21 begraben.
Friedhof St.Martin

Die Ausbildung erfolgte zu dieser Zeit an zwei Fliegerhorsten der "Flugzeugführerschule" Wels und der "Grosskampffliegerschule" Hörsching. Jedoch um so länger sich der Krieg hinauszögerte, desto mehr Druck hatten die Fliegerschulen, neue Mannschaften bereit zustellen, so dass es sehr häufig zu Unfällen kam.  Alleine in Hörsching verunglückten im Mai/Juni 1940 nicht weniger als 24 Flieger tödlich! Generell soll bei der deutschen Luftwaffe in den Kriegsjahren als Richtwert gegolten haben, dass ein Drittel der Anwärter durch Verletzung und Tod ausscheiden würden.


Mittwoch, 14. März 2018

Molln der Kohleschurf im Denkgraben

In der Umgebung von Molln sind an mehreren Punkten Steinkohlenschürfungen nachgewiesen.  
In den 1860er Jahren bestand nur mehr im Denkgraben, 1/2 Stunde östlich von Molln, ein Betrieb am Annasberg zwischen dem Reit-und dem Denkbauerngute; der Schürfstollen war 106m lang, durchörtete 66 m ungeschichteten Schieferthon mit 3 Flötzchen von einer Mächtikeit von 4—40 cm.

Der Steinkohlenschurf im Denkgraben befindet  sich an  dem nörd­lichen  Gehänge  des Annasberges  in  dem Graben  zwischen  dem  Reit- und  dem Denkbauerngute ungefähr 300 Klafter östlich von dem lezteren an  der linken Seite des Baches.  Der Schürf, war Eigenthum des Herrn J. Dorfwirth, in Grünburg und besteht aus  zwei Schächten  und  einem Schürfstollen.
nur mehr eine größere Vertiefung im Hang zu sehen
Der  eine  Schacht im Graben selbst neben dem vom  Denk zum Reitbauer führenden Wege ist nach dem Verflachen, war 10 Kafter tief abgeteuft worden, der andere Schacht, östlich oberhalb des bezeichnten Weges am Berggehänge,  steht  bereits im  Ver­bruche und soll 10 Klafter saiger abgeteuft worden sein. Der Schürfstollen wendete sich bogenförmig  immer  mehr  gegen  S. und SW. und endet in der Richtung, seine Länge beträgt 58 Klafter.
Heute findet man nur mehr den alten Weg zum Revier, im Hang gibt es ein größeres flaches Platau mit einer größeren Vertiefung im Hang welche wohl einer der zwei Schächte zuzuordnen ist, vom Stollen selbst konnte ich aktuell nichts mehr finden, möglich das der Bau einer Forststraße neben dem Bach letzte Spuren verwischt hat.

Samstag, 10. März 2018

Molln Goldloch Update

Bergbau und Eisenverarbeitung spielen in der Geschichte Mollns eine große Rolle. Die Anfänge in Molln reichen vermutlich ins 13. Jahrhundert zurück, urkundlich bezeugt ist er erstmals um 1570. Um diese Zeit eröffnete der Steyrer Bürgermeister Sebastian Pürstinger und der Messermeister Christoph Aichperger Eisenbergbaue am Gaisberg, Buchberg und Schwalbenstein. Ihr Hammer- und Zerennwerk das jährlich tausende geschlagene Zentner Eisen lieferte lag an der Steyrling bei Gstadt. Bereits früher auf der Südseite des Berges wurde Waldeisen gewonnen. Der Bergbau wurde von der Obrigkeit durch Verleihung



ausserordentlicher Privilegien gefördert und konnte sich bis etwa um 1790 behaupten, das Erz wurde in einem Verhüttungsbetrieb in Gstadt in Molln an der krummen Steyrling verarbeitet. Spuren des Bergbaues, wie Stollenreste, und Abraumhalden, sind heute noch im Bereich unterhalb des Bernegger-Steinbruches festzustellen. 
 
1609 erteilte der Burggraf zu Steyr die Genehmigung zur Erweiterung des Mollner Betriebes, weiteres ist über diese   Betriebsphase nichts bekannt. 1768 wurde der Bergbau wieder eröffnet, da durch die Josephinischen Reformen solche Unternehmungen erleichtert wurden. 1787 wurde der Gewerke J. G. Zeitlinger mit den Bergrechten belehnt, der Betrieb dürfte aber kurz darauf wieder eingegangen sein. Die Reste der Hüttenanlagen des Mollner Bergbaues finden sich unweit des Ortes Gstadt.
 



Jedoch die geringe Mächtigkeit der Erzlager, kleiner Eisengehalt und Hochwasserschäden an den Verhüttungsanlagen verursachten aber laufend Schwierigkeiten und längere Betriebsunterbrechungen, sodass der Abbau dann spätestens gegen Ende des 18. Jahrhunderts endgültig eingestellt worden sein dürfte. Der Hüttenbetrieb in Gstadt musste sich anderen Produkten zuwenden. Vorerst wurden Rohr- und Blechhämmer errichtet.1780 erteilte Kaiserin Maria Theresia das Privileg zur Aufnahme der Sensenproduktion, die bis 1962 Bestand hatte.



Es führen keine Pfade mehr zum Stollen, so muss man sich durch Dornen und Lianen bis zum Stollen durchkämpfen, vorbei an einer ersten Kammer die nach 3-4m blind endet, fällt etwas weiter oben das mit Laub und Erdreich nahezu verfüllte Stollenmundloch einige Meter tief in den Berg hinab. Die niedrigen Gänge die nur an mancher Stelle aufrechten stehen ermöglichen sind teilweise mit Versatzsteinen verfüllt. Der Gang fällt noch tiefer in den Berg ab und endet sehr Wandnahe, da im Inneren Wurzelwerk durch den Fels dringt. Drei kleine Hufeisennasen nützen diesen Stollen als Winterquartier, auch ein Dachs oder Fuchs scheinen gefallen daran gefunden zu haben, ihre Hinterlassenschaften sind nicht zu übersehen.
 

https://vimeo.com/259544754

Sonntag, 4. März 2018

Garsten´s die vergessenen Luftschutzstollen

Heute wurden die vergessenen Luftschutzstollen "unter" Garsten vermessen sowie der Fledermausbestand im Winterquartier erhoben.

Auch sind die Gesteinsschichten in die die Stollen getrieben wurden sehr von Interesse, welche von einer halben Meter dicken Sandablagerung durchzogen sind. Bedingt durch die Lage unterhalb der Endmoränen des würmzeitlichen Ennsgletschers ist das Tal mit mächtigen, weithin konglomerierten fluvioglazialen Schottern erfüllt, in die sich der Fluss selbst schluchtartig eingetieft. Die steinzeitliche Uferkannte des Ennsflussen besteht ausschließlich aus meterhohen Nagelfluh.


Schon neben der Straße vermag man den angeschütteten Erdwall erkennen, der Deckungsgraben  schützte den Zugang zum Stollen, welcher zwei Eingänge besaß. Beim Deckungsgrabenwall handelt es sich vermutlich auch um den Aushub.
Über einen engen Schlupf rutscht man heute gut zwei Meter tief in den Stollen hinab, die schon vor längerer Zeit nur provisorisch vermauert wurden.
Biospeleologisch ist dieser Platz ein guter Rückzugsort für allerlei Getier. zB.: Meta menardi , Scoliopteryx libatrix Rhinolophus hipposideros um nur einige Vertreter zu nennen.

Geschichtlich ist folgendes bekannt: Bereits  Ende Oktober 1940 gab es in Garsten den ersten Fliegeralarm, aber erst am 23. Februar 1944 zur Mittagszeit kam es tatsächlich zu einem Fliegerangriff, und Bomber warfen Bomben über Garsten ab, das eigentliche Ziel waren allerdings die Steyr Werke. Noch im Jahr 1944 wurde im Gemeinderat beschlossen im Gemeindegebiet Luftschutzanlagen für die Bevölkerung zu errichten. Wer diese errichten musste ist nicht bekannt, es gab allerdings ein Fremdarbeiterlager auf dem heutigen Molkereigelände, da in dieser auch Zwangsarbeiter eingesetzt wurden.
Es ist allerdings ein Garstner Häftlingskommando bekannt in dem KZ ähnliche Zustände herrschten, Häftlinge wurden in der Landwirtschaft, Industrie und Kraftwerksbau eingesetzt, es ist sehr wahrscheinlich, dass sie auch die Stollen in den Hang trieben.

 Im hintersten Quergang traf ich wie immer auf einige (3) kleine Hufeisennasen
Sonst gleichen die Stollen eher Kavernen roh in den Nagelfluh getrieben, und sind nur an Kreuzungspunkten statisch verstärkt/betoniert. Ein Indiz für die Spartanische Ausführung ist wohl dem nahen Kriegsende zu schulden, Material- Personalmangel.


Quellen:
NS-Zwangsarbeits-Schicksale, Hermann Rafetseder, 522
Schwarze Tage dunkle Zeiten, Karl Ramsmaier, 132