Samstag, 27. Januar 2018

Ebelsberg vergessene Stollen 2

Unmittelbar auf der Baustelle betraten wir einen unscheinbaren Keller eines bereits abgerissenen Hauses, dieser jedoch sollte eine Überraschung in sich bergen. Schon gleich folgte ein alter Gewölbekeller mit zwei Abteilen.


Jedoch an seinem Ende führt eine Fortsetzung noch tiefer in den Berg, also näherten wir uns der letzten Türe, ein in Löss getriebener Stollen setzte an. Wurzelwerk dringt durch die Decke, ein Zeichen das wir nicht weit von der Oberfläche entfernt sein können.
Ein Gang mit Ziegel stabilisiert setzt linker Hand zu einem Notausstieg an, 18 Eisenklammern führen eng einen Kamin empor.

Der Gang bricht mit Gefälle nach rechts ab, der Boden ist mit morschen Holzresten übersät, diese gehörten zu einer Stollenpölzung, Holzstützen mit Bretter überlagert gab dies dem Bauwerk zusätzliche Stabilität und diente den Erbauern und Schutzsuchenden als Sicherheit vor Einbrüchen während der Bombenangriffe.
Viele Opfer wurden damals verschüttet, und kamen in scheinbar sicher geltenden Luftschutzkellern ums Leben!
Die Vibrationen und Erschütterungen waren während der Bombenabwürfe sehr deutlich zu spüren und die Gefahr in solch einem Bauwerk begraben zu werden sehr hoch!
Jedoch auch heute kein ungefährlicher Ort, so ohne Pölzung lösen sich Platten von der Decke und den Wänden!!

Als wir die Wände nun genauer in Augenschein nahmen staunten wir nicht schlecht...


Überall fanden wir Ritzzeichungen, Schriftzüge und Graffities bis in den hintersten Teil des Stollens.
Die in den Stollen gepferchten Personen verewigten sich, brachten ihre Ängste und Eindrücke in "Kunstwerken" an den weichen Wänden zum Ausdruck.
Darunter finden siche zwei Alliierte Bomber und der vermutliche Zeitpunkt des Luftangriffes, Feb. 1945. Blumen, eine Gans, eine Menschengestalt ein Bauer und dessen Name Steffan, sowie  unzählige Namen und andere Gravuren.
ZIEMIANIN JOZEF vermutlich ein Pole

US Bomber
Mit schweren Herzen verlassen wir diese unberührt Zeitkapsel im Wissen das wir wohl die letzten Besucher dieses einmaligen Ortes sein werden!
https://vimeo.com/256278410
Zum Bombenkrieg über Ebelsberg gibt es folgendes zu berichten.
Gegen Ende des Krieges wurden immer mehr Schutzbauten für die Zivilbevölkerung errichtet, 1944/45 fanden 22 aliierte Luftangriffe auf Linz statt, sie richteten sich primär gegen die Kriegswichtige Industrie.
Am 15.Dezember 1944 fand einer der verheerensten Angriffe auf Ebelsberg statt, 13 Tote waren zu beklagen, am 17.Februar 1945 schien Ebelsberg laut einem Polizeibericht als völlig vernichtet!
So berichtete auch die Ortsgruppe der NSDAP Ebelsberg in ihrem Abschluss Bericht 1944 vom schleppenden Fortgang der Arbeiten am Ebelsberger Schlossstollen: "seit Februar 1944 wird geplant, gemessen und gebaut und erst 13m Stollen sind das Ergebnis! Von denen noch kein einziger Meter fertig zur Benutzung übergeben werden konnte."
Dies dürfte wohl die Lage des gesamten zivilen Luftschutzes in Gau wiederspiegeln!

Lese-Empfehlung


Freitag, 26. Januar 2018

Ebelsberg vergessene Stollen 1

Einem glücklichen Zufall, einer neuen Bekanntschaft haben wir es zu verdanken, das wir auf diesen Historischen Untergrund aufmerksam wurden, in mitten eine Großbaustelle im Ort legte eine Bagger einen Tunnel frei. Wie sich bei der Begehung herausstellte, ein so genannter Splitterschutzdeckungsgraben.

Mit einer Überdeckung von einem halben Meter wäre dieser Stollen bei einem direkten Bombentreffer zur tödlichen Falle geworden, da sich die Druckwelle im Inneren ungehindert ausgebreitet hätte. Jedoch könnte dieser Ort über ein Haus zugänglich gewesen sein, und im Falle eines Treffers, so das Haus in Schutt und Asche läge, hätte man den Stollen über den vorhandenen Notausstieg verlassen können.

Im Inneren fehlt es an jederart Elektrifizierung, an einige Stellen an den Wänden sind Rußspuren vorhanden, die auf die Nutzung von Kerzen als Lichtquelle schließen lassen.
Auch für einen möglichen Giftgasangriff wäre dieser Zufluchtsort ungeeignet gewesen, da nur verrieglebare Holztüren den Zugang sicherten.

Der einstige Zugang ist verschüttet und von obenhalb ist der genaue Abgang nicht mehr zu finden.
Weiteres befanden sich nahe dem Notausstieg zwei Aborte, die Notdurft wurde in Schüsseln und Eimern, auch manchmal in Chemieaborten verrichtet, und mit Kalk oder Sägemehl "geruchsneutralisiert".


Ein kleiner "Lagerraum" gleich neben dem Abgang ist der einzige zweckdienliche Raum, voll mit Benzinkanistern amerikanischer Herkunft, die Vermutung liegt nahe, dass Alliierte den Lagerraum nutzten, oder hier Hehlerware versteckt wurde.


Im hintersten Bereich ist die Decke pechschwarz, auch verkohlte Holzreste deuten auf ein Feuer im Inneren hin. Die restlichen Wände wurden mit weißer Farbe gestrichen, jedoch fanden wir kein einzige Inschrift oder ähnliches.
Diese Schutzräume wurden meist mit großer Eile aufgesucht und waren stets überfüllt, nur das nötigste durfte mit nach unten mitgebracht werden, dies alles Kontrollierte der Luftschutzwart.

Wohl in wenigen Tagen wird dieser Ort Geschichte sein, und einem Neubau weichen müssen, wieder geht ein Teil unserer Geschichte, ein Mahnmal dieser dunklen Zeit für immer verloren!

Volltreffer eines LS Deckungsgrabens Linz 1944